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Monday, 15. January 2018

Das war die BAST-Fachtagung 2009

Ausführlicher Bericht von der 16. BAST Fachtagung „Brennpunkt Straße. Professioneller Umgang mit Konflikten im öffentliche Raum.“

Vom 3. bis 5. Mai 29 fand in Reichenau an der Rax in Niederösterreich das 16. bundesweite StreetworkerInnentreffen statt. Insgesamt nahmen 28 TeilnehmerInnen aus den Arbeitsfeldern Streetwork und Mobile Jugendarbeit aus ganz Österreich teil. Dieses Jahr wurde die Fachtagung vom Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft organisiert.

Der Impulsvortrag, sowie die Workshops beschäftigten sich mit den verschieden Facetten des Tagungsthemas „Brennpunkt Straße. Professioneller Umgang mit Konflikten im öffentlichen Raum.“ Der Grundgedanke hierbei war es, ausgehend vom öffentlichen Raum als zentralen Arbeitsort und die daraus resultierenden Herausforderungen und Anforderungen an Streetwork und Mobile Jugendarbeit, auf verschiedenen Ebenen zu thematisieren und Informationen für den Arbeitsalltag zur Verfügung zu stellen.

Das Impulsreferat von Hans Jörg Schlechter mit dem Titel „Nulltoleranz und die sichere Stadt. Räumliche Ausgrenzung und kriminalpräventive Strategien.“, stellte den thematischen Einstieg in die Fachtagung dar.
Es wurden die Begriffe öffentlicher Raum und halböffentlicher Raum definiert, Kontrollpolitiken des öffentlichen Raumes erläutert, einhergehend mit dem Sicherheitsbedürfnis von Bürgern und der daraus resultierenden selektiven Nulltoleranzpolitk. Darüber hinaus wurde die Frage, welche Aussagekraft die Kriminalstatistik über das wahre Ausmaß von Kriminalität hat und inwiefern hierbei Kriminalität konstruiert wird.

Danach fand ein Infomarkt statt, bei dem die TeilnehmerInnen die Möglichkeit hatten ihre jeweilige Einrichtung zu präsentieren. Es war jedem selbst überlassen, welche Inhalte den anderen Fachtagungsteilnehmern vorgestellt wurden und wie stark jeder den Raum für den Austausch nützen wollte. Auch die BAST war durch einen Infostand mit Folder, Homepage und den letzten Stellungnahmen vertreten, um für Anfragen der Mitglieder zu Verfügung zu stehen.

Nach dem Abendessen fand eine freiwillige Diskussionsrunde zu dem Thema: „Was ist die BAST? Was soll die BAST?“ statt. Hierbei ist hervorzuheben dass ALLE Teilnehmer der Fachtagung trotz der späten Uhrzeit an der Diskussion teilgenommen haben und dadurch ein angeregter und spannender Austausch zwischen den Mitgliedern möglich wurde.
Gemeinsam wurden Themen wie welche Wünsche und Vorstellungen haben die Mitglieder was die BAST leisten soll, was kann jedes einzelne Mitglied dazu beitragen, welche Bereiche können/sollen in welcher Form verbessert werden, welche Forderungen sind realistisch und kann die BAST als Bundesarbeitsgemeinschaft erfüllen, besprochen.
Im Rahmen der Diskussion entstand die Idee, bei der Generalversammlung am folgenden Tag mit allen teilnehmenden Mitgliedern Arbeitsaufträge für die BAST und den Vorstand zu formulieren.

Am zweiten und dritten Tag fanden die Workshops mit  den Themen „Streetwork im öffentlichen Raum: Politische Strategien und Handlungsalternativen in den Feldern der aufsuchenden Sozialen Arbeit“ mit Marc Diebäcker, sowie „Sicherheitsorientiertes Verhaltenstraining für SozialarbeiterInnen“ mit Ruth Preining und Robert Wagner, statt. Der Workshop mit dem Thema „Polizei und Sozialarbeit: Wechselseitige Feindbilder und mögliche Kooperationen.“ mit Max Foissner wurde aufgrund der wenigsten Anmeldungen gestrichen.

Der Workshop „Streetwork im öffentlichen Raum“ beschäftigte sich mit dem Spannungsfeld in dem sich Streetwork und Mobile Jugendarbeit bewegt, welches aus den unterschiedlichen Akteuren im öffentlichen Raum resultiert. Es wurden die verschiedenen Ebenen auf denen Streetwork agiert näher betrachtet–  auf horizontaler Ebene gibt es verschiedene Gruppen im Gemeinwesen, welche Ressourcen für die Arbeit darstellen können oder auch zu Stigmatisierung und Ausgrenzung für KlientInnen führen können. Auf vertikaler Ebene beeinflussen AuftraggeberInnen, Politik und JournalistInnen öffentliche Diskurse und politische Rahmenbedingungen.
Nach einem theoretischen Input wurden verschiedene Szenarien aus dem Arbeitsalltag von einzelnen TeilnehmerInnen aufgegriffen und in Arbeitsgruppen die genaue Problematik mit den dazugehörigen relevanten AkteurInnen erläutert, sowie mögliche Handlungsstrategien bzw. –alternativen erarbeitet. Durch die Arbeitsgruppen und der Präsentation der Ergebnisse im Plenum, wurden der Austausch und die Diskussion angeregt.
Ein wichtiges Anliegen für die Teilnehmer des Workshops war es gemeinsam auch Strategien und Möglichkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit der BAST zu überlegen und diskutieren.
Insgesamt ist es wichtig festzuhalten, das Streetwork und Mobile Jugendarbeit ihre besonderen Qualitäten hervorheben sollten, die Arbeit mit Überzeugung verkaufen, um immer wieder drohender Instrumentalisierung von Auftraggebern und Politik und damit einhergehender Verzerrung oder Verfälschung des eigentlichen Arbeitsauftrages von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit, vorzubeugen.

Der zweite Workshop „Sicherheitsorientieres Verhaltenstraining für SozialarbeiterInnen“ beschäftigte sich neben theoretischer Information zu Notwehrrecht und der Selbstverteidigungssituation aus juristischer Sicht, vor allem mit praktischen Übungen mit Krav Maga. Hierbei war es wichtig, nicht nur Selbstverteidigung zu erlernen, sondern auch in verschiedenen Stufen des Vorgehens in Konfliktsituationen, verhältnismäßiges Handeln zu erlernen und üben. Neben Kommunikation und Körpersprache, sowie Lagebeurteilung und Gefahrenradar, wurden unterschiedliche Situationen mit geringer (z.B. verbale Attacken) bis hin zu starker Eskalation (z.B. bewaffneter Angriff) und Reaktionsmöglichkeiten, trainiert.
Ein wichtiger Schwerpunkt war, wie man als Team in verschiedenen Situationen bestmöglich zusammenarbeiten und deeskalierenden vorgehen kann. Dies wurde speziell noch einmal zum Abschluss des Workshops bei einem Szenarientraining, bei dem verschiedene Konfliktsituationen durchgespielt wurden, in denen die TeilnehmerInnen ihrer eigenen Einschätzung nach reagierten und das Gelernte anwenden konnten, trainiert. Gemeinsam wurde danach die jeweilige Situation bzw. das Verhalten reflektiert.

Am zweiten Abend fand die Vollversammlung statt, bei welcher der alte Vorstand seine Tätigkeit seit der letzten Fachtagung  präsentierte. Darüber hinaus wurden einige Statutenänderungen und ein höherer Mitgliedsbeitrag von 25 Euro ab dem Jahr 2010 beschlossen. Der alte Vorstand wurde entlastet und enthoben, ein neuer Vorstand gewählt.
Des Weitern wurden die Inhalte der Jahresplanung gesammelt und beschlossen:

  • Homepage erweitern und beleben (Links, Einrichtungslisten, Forum aktiveren, …).
  • Namensänderung in „Bundesarbeitsgemeinschaft für Straßensozialarbeit“ in Regionen und Forum diskutieren.
  • Arbeit an Berufsbild für StreetworkerInnen fortsetzen.
  • Region West und Nord beleben bzw. aktiveren.
  • Fachtagung 2010 soll organisiert werden.
  • Leitbild für die BAST erarbeiten.
  • Bericht von Fachtagung 2009 erfassen.

Als Abschluss am dritten Tag wurde am Vormittag noch einmal in den zwei Workshops gearbeitet und am Nachmittag die Ergebnisse im Plenum präsentiert.

Der Vorstand dankt allen TeilnehmerInnen der vergangenen Fachtagung, dass durch ihr Engagement, Interesse, ihre Motivation und Offenheit, sowie ihren Ideen und Anregungen, die 16. Fachtagung ein voller Erfolg war.

05.06.2009 13:28 Alter: 9 Jahre