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Monday, 15. January 2018

Aus für Streetwork in Villach.

Lagebericht zur prekären Situation von Streetwork Villach.

Die drei Villacher Streetworker DSA Norbert Arbesser, Mag. Roland Ressmann und Mag. Birgit Kandutsch wurden gekündigt!
Anstoß dieser Kündigung war eine Subventionskürzung vom neuen BZÖ Sozial –Landesrat Mag. Christian Ragger. Nach den Kärntner Landtagswahlen im März 2009 wechselte das Sozialreferat von SPÖ zu BZÖ. Anfang Mai kürzte Landesrat Ragger rückwirkend mit 1. jänner 2009 die Subvention auf die Hälfte der Personalkosten und bat zugleich um eine entsprechende Veranlassung der Finanzierung mit der Stadt Villach. Die Verwaltungs- und Mietkosten sind zu hoch und der Landesrat sei nicht mehr bereit die entsprechenden finanziellen Mittel zu tragen. 

Streetwork Villach gibt es bereits seit zwölf Jahren in Villach – ein Angebot von einen Jugendwohlfahrtsträger LSB – Netzwerk Jugend- & Sozialbetreuungs GmbH. (Geschäftsführer Gerald Uhl). Subventionsträger ist die Abteilung 13 / Soziales, Jugend, Familie und Frau, Amt der Kärntner Landesregierung. 

Aufgrund der nicht gesicherten Finanzierung teilte der Leiter von Streetwork Villach, Gerald Uhl, den drei Streetworkern mit Mitte des Monats die Kündigung aus. (Kündigungsfrist für Roland und Birgit ist der 30. Juni 2009 und für Norbert 31. August). 

In Kärnten gibt es keine einheitliche Regelung der Streetwork Angebote. Die fünf Klagenfurter Streetworker sind ein Angebot vom Magistrat Klagenfurt und bekommen einen kleinen Kostenbeitrag vom Land. 
Die zwei Feldkirchner Streetworker sind bei der Gemeinde Feldkirchen eingegliedert, die Personalkosten trägt das Land. 
Die zwei Wolfsberger Streetworker haben einen eigenständigen Verein gegründet - „asphalt“ - und wiederum trägt das Land die Personalkosten. Die weiteren Kosten werden anhand eines Kostenbeitrags der Stadt Wolfsberg gedeckt. 
Eine ähnliche Lösung strebt nun LR Ragger in Villach an. Die Reaktion der Stadt Villach auf die Teilung der Kosten von Streetwork war folgende: 
Villachs SPÖ Vizebürgermeister Richard Pfeiler: "Die Gesetzeslage ist eindeutig - nach dem Bundesjugendwohlfahrtsgesetz (JWG) 1989 sind die Länder Träger der öffentlichen Jugendwohlfahrt. Laut § 12 dieses Gesetzes haben diese auch die dazugehörigen sozialen Dienste, wie die niedrigschwelligen Angebote Streetwork und Notschlafstellen sicherzustellen", hält Pfeiler fest und verlangt von Soziallandesrat Ragger, die Finanzierung von Streetworkangeboten auch in Kärnten - so wie auch in anderen Bundesländern üblich - gesetzlich zu verankern. Damit könnte man dieses wichtige Jugendbetreuungsangebot langfristig sichern und nicht von willkürlichen Subventionsvergaben abhängig machen. In Anbetracht der bereits jetzt massiven Belastungen des Stadtbudgets durch die explodierenden Kosten der Jugendwohlfahrt kann sich der Villacher Vizebürgermeister eine zusätzliche Mitfinanzierung des Streetworking-Angebotes nicht vorstellen. Dies hielt Pfeiler aktuell auch in einem Schreiben an Soziallandesrat Ragger fest. Vizebürgermeister Pfeiler weist darauf hin, dass die Stadt Villach für sozialen Dienste der Jugendwohlfahrt - dazu zähle aus Sicht der Stadt Villach auch das Streetwork -, in die Landestöpfe 335.000 Euro einzahle - um 90.000 Euro mehr als im Vorjahr (Steigerung von 38 Prozent!). Die Stadt Villach steht auf den unverrückbaren Standpunkt, dass diesen von ihr erbrachten finanziellen Leistungen adäquate Gegenleistungen des Landes gegenüberstehen müssen, nämlich die ausreichende Versorgung mit sozialen Diensten, eben auch durch Jugendbetreuungsangebote wie dem Streetworking. Pfeiler: "Es ist nicht nachvollziehbar, warum nunmehr die Stadt Villach für eine Leistung zweimal zahlen soll!" (Quelle: Presseaussendung der Stadt Villach vom 19. 05.09).

LR Ragger lenkte ein und sagte die Finanzierung der gesamten Personalkosten der drei Streetworker zu. Jedoch blieb eine Lösung zur Finanzierung der weiteren Aufwendung (ca. 35.000 Euro), wie bspw. Miet- und Verwaltungskosten, Supervision, Versicherungen aus. 

Eine neue Lösung zur Rettung von Streetwork Villach wurde von LR Ragger publiziert – die Angliederung an den Verein ARGE SOZIAL in Villach, um die Verwaltungskosten zu senken. Dazu der Obmann des Vereins „ARGE SOZIAL“ in der Kleinen Zeitung vom 04.06.09: "Wir können diese Aufgabe keineswegs machen, sie widerspricht sowohl unserem Aufgabengebiet als auch den Vereinsstatuten.“

In der Zwischenzeit verhärteten sich die Fronten zwischen Stadt und Land und die finanzielle Zukunft von Streetwork ist noch immer ungewiss. 

Die Villacher Jugend machte nun ihren Unmut über den drohenden Verlust ihrer Ansprechspartner, ihrer Streetworker breit und stiegen auf die Barrikaden. Sie errichteten vor dem Streetwork Büro eine Grabstelle, sammelten Unterschriften und schickten E-Mails an die politischen Verantwortungsträger. Insgesamt 2500 Unterstützungsunterschriften für die Villacher Streetworker wurden gesammelt und an LR Ragger und Bürgermeister Manzenreiter übergeben. 

Nächste Hoffnung die Villacher Gemeinderatssitzung, bei der wir drei Streetworker mit zahlreichen Jugendlichen stillen Protest leisteten aber bestimmt auf das Aus von Streetwork aufmerksam machten und eine Finanzierung forderten. Alle Anträge zur Finanzierung wurden abgelehnt - eine Petition an LR Ragger zum Erhalt von Streetwork mit bestehendem Träger verabschiedet. 

Zur Gemeinderatssitzung brachte Villachs BZÖ Vizebürgermeisterin Wally Rettl einen neuen Vorschlag zur Zukunft von Streetwork Villach mit. Die gesamten Kosten werden vom Land subventioniert und werden vom Verein „Kärnten Sozial“ per 1. Juli übernommen. So wurde es tags darauf auch von der Kleinen Zeitung (12.06.09) publiziert. "Die drei Streetworker in Villach bleiben, sie werden vom Land ab 1. Juli voll bezahlt und es kommt auch noch ein weiterer Streetworker dazu", verkündet Vizebürgermeisterin Wally Rettl (BZÖ). Das habe ihr Soziallandesrat Christian Ragger (BZÖ) nämlich fix zugesichert. 
Der Verein „Kärnten Sozial“ ist im Sozialreferat des Landes angesiedelt. Jedoch konnte uns die Obfrau des Vereins keine Auskunft über eine mögliche Anstellung geben, da sie eigentlich nichts davon wusste. 

Weiterhin keine schriftliche Zusage der Finanzierung bzw. nur Informationen aus den regionalen Medien die sich nicht realisierten. 

Nächster Versuch Landtagssitzung am 18. 06.09 in Klagenfurt. Nachdem ein fixierter Gesprächstermin bei LR Ragger Anfang Juni seinerseits nicht wahrgenommen worden war, hatten wir bei der Landtagssitzung mehr Glück und ein persönliches Gespräch fand statt. LR Ragger sicherte zu mit Villachs Bürgermeister Manzenreiter persönlich in Kontakt zu treten um die Finanzierung von Streetwork Villach zu verhandeln. Termin: folgender Montag

Villachs Bürgermeister schlägt LR Ragger in der Zwischenzeit in der Kleinen Zeitung vom 20. 06.09 vor, einen Verein gemeinsam von Stadt und Land zu gründen der als neuer Streetworker Träger auftreten sollte. „Bis Jahresbeginn 2010 würde man die nötigen Voraussetzungen für den überparteilichen Verein geschaffen haben. Und bis dahin ist das Geld für die Streetworker ja ohnehin gesichert, hat uns Soziallandesrat Christian Ragger versichert; er hat sogar einen vierten Kollegen angedacht."

Heute – 8 Tage vor dem Aus von Streetwork Villach sind Stadt und Land noch immer nicht am Verhandlungstisch gesessen. Das Land arbeitet an einer neuen Lösung! Die Finanzierung ist unklar und damit auch die Zukunft von Streetwork zumindest noch bis 30. 06.09 – dann nämlich gibt es Streetwork in Villach nicht mehr.

25.06.2009 21:32 Alter: 9 Jahre