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Monday, 25. September 2017

Unterstützungserklärung für die Initiative Drogenkonsumraum

Die BAST unterstützt die Initiative für Konsumräume in Wien.

Ausgangslage

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Straßensozialarbeit Österreich (BAST) ist die österreichische Vereinigung für Vernetzung und eine Interessensgemeinschaft der fachlichen Mitarbeiter_innen aus den Bereichen der Straßensozialarbeit, wie Drogenstreetwork, Mobile Jugendarbeit und Streetwork der Wohnungslosenhilfe. In dieser Funktion wurden von der BAST die ordnungspolitischen Maßnahmen der Stadt Wien zur Vertreibung der „Drogenszene“ vom Karlsplatz kritisiert.Personen, die Aufgrund ihrer Abhängigkeit von illegalen Substanzen marginalisiert werden, haben ein Recht sich im öffentlichen Raum aufzuhalten! (siehe Stelungname

Entwicklung seit Juli 2010 der Wiener Drogenszene

Seit der offiziellen „Zerschlagung der Karlsplatzszene“ wurden aus einer lokalen Szene am Karlsplatz viele kurzlebige Szenen, die über die ganze Stadt verteilt Treffpunkte finden und von dort wieder vertrieben werden, in den letzten Monaten beispielsweise beim Karlsplatz, an S-Bahn Linien, an der Linie U6 oder auch vor dem Tageszentrum für Obdachlose JOSI, um nur einige zu nennen. Die meisten Szenetreffs wurden nach einigen Wochen und Monaten durch ein erhöhtes Polizeiaufgebot wieder ordnungspolitisch „gesäubert“.

Aus professioneller Sicht wird die soziale Arbeit mit Konsument_innen illegaler Substanzen seitens der Stadt Wien behindert. Ständige Präsenz der Straßensozialarbeiter_innen und der damit verbundene professionelle Beziehungsaufbau wird verhindert. Anstatt das Klientel aus der Szene an das Drogenhilfesystem in Wien heranzuführen und damit (über-)lebenswichtige Maßnahmen zu setzten, sind die Straßensozialarbeiter_innen damit beschäftigt neue Szenetreffpunkte zu finden.

Das Ziel, eine möglichst gute Anbindung der Szene an Institutionen und deren Hilfsangebote zu schaffen, rückt in weite Ferne.

Zur Initiative „Drogenkonsumraum“:

Ende Oktober ging die langersehnte „Initiative Drogenkonsumraum“  mit einer Online Petition an die Öffentlichkeit.

Die Initiator_innen machen es sich zum Ziel in Wien einen Raum zu erschließen, in dem mitgebrachte Drogen in einem hygienischen und geschützten Rahmen konsumiert werden können. Erfahrungen aus anderen Ländern, die eine solche Einrichtung etabliert haben, zeigen ein klarer Rückgang von Infektionen durch intravenösen Konsum (Hepatitis C, HIV) und bei Todesfällen infolge einer Überdosierung. Zudem haben die Drogenkonsumräume in der Schweiz, Deutschland und allen anderen Ländern zu einer Entlastung des öffentlichen Raumes und deren Nutzer_innen geführt.

Aus diesem Grund unterstützt die BAST die „Forderungen der Initiative Drogenkonsumraum für Wien“:

  • Wir sprechen uns für ein Drogenhilfssystem aus, das es Konsument_innen möglichst einfach macht, Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich vor Infektionen und gesundheitlichen Risiken bestmöglich zu schützen.
  • Wir sprechen uns dafür aus, die Menschenwürde und Selbstbestimmung konsumierender Menschen, nicht durch polizeiliche Maßnahmen in Frage zu stellen. Menschenrechte, wie die Nutzung des öffentlichen Raumes, sind unteilbar.
  • Wir fordern die Ausweitung des bestehenden Drogenhilfssystems durch die Schaffung von Konsumräumen, die im Sinne der Konsument_innen und aller Bewohner_innen im Einzugsgebiet von Drogenhilfseinrichtungen sind.
  • Wir fordern ein Ende der Vertreibung von Szenen durch die Polizei, die aufsuchende  Straßensozialarbeit verhindern und die Inanspruchnahme von Hilfeleistungen erschweren.
  • Wir fordern alle auf, sich selbst am Blog zu informieren und die Petition zu unterzeichnen.

Wien, am 09.11.11

11.12.2011 13:19 Alter: 6 Jahre